Als Beitrag zur Familiengeschichte folgt ein Aufsatz über dem Begründer der Besitzgrundlage der Familie in Schlesien. Der Aufsatz ist in der Reihe RECHENBERGER HEFTE gegen Kostenerstattung zu erhalten.
------------------------------------------
R e c h e n b e r g e r H e f t e
Beiträge zur Familiengeschichte
Heft VI / 2003
NICKEL von RECHENBERG
1381 bis 1422
Ein Lebensbild
nach Urkunden
zusammengestellt von
Bernhard Freiherr von Rechenberg
Trier, 2003
--------------------------------------------------
Nickels Elternhaus
Ein fast undurchdringliches Dunkel liegt über Nickels Elternhaus und dem Ort seiner Geburt, den wir wohl in der Gegend von Bunzlau zu suchen haben. Da Windisch-Borau bereits im Besitz Heinrichs II, seines Vaters, gewesen sein muss , wie wir weiter unten erfahren, könnte Nickel dort geboren sein. Auch den Familiennamen seiner Mutter Barbara können wir nicht mit Bestimmtheit angeben. Sein Geburtsjahr setzen wir mit ziemlicher Sicherheit zwischen 1340 und 1360 an . Sein Vater, Heinrich II., wird von 1334 und 1391 urkundlich genannt, also während eines Zeitraumes von rund 55 Jahren. Nehmen wir dazu noch eine Zeitspanne von 25 Jahren als Jugendzeit, also vor seiner ersten Beurkundung und seinen Tod mit 1392 an, so dürfte dessen Leben ungefähr in die Jahre 1310 und 1392 fallen .
Nickel war Heinrichs II. ältester Sohn. Vergegenwärtigen wir uns die damaligen Gepflogenheiten so dürfen wir Nickels Geburtsjahr kaum vor 1340, keinesfalls aber nach 1360 ansetzen. Musste er doch bei seiner ersten Beurkundung 1381 (s.u.) bereits das rechtsfähige Alter erreicht haben.
Nickels Jugend
Über Nickels Jugend haben wir keine direkten urkundlichen Belege, aber aus so mancher späteren Urkunde vermögen wir wohl zwischen den Zeilen zu lesen und unsere Schlüsse zu ziehen. So mag er mit Sicherheit die ersten Kindheitsjahre im
elterlichen Hause verlebt haben, um anschließend die nahe gelegene und damals weit und breit berühmte Schule zu Goldberg zu besuchen. Wo sollte er sich wohl ansonsten die später mehrfach hervorgehobenen Kenntnisse der Rechtspflege und seine fraglos überdurchschnittliche Bildung angeeignet haben.
Noch als Jüngling brachte ihn dann der Vater an den Königlichen Hof zu Prag, den Gepflogenheiten der Adelsgeschlechter dieser Zeit folgend. Hatte doch gerade der Schweidnitzer Adel durch die dynastisch - verwandtschaflichen Bindungen des eigenen Fürstenhauses ausreichende Beziehungen dorthin, - und Heinrich II. wird uns 1357 als Manne des Herzogs Bolco von Schweidnitz genannt .- .
Diese Schulung am Hofe zu Prag hatte für Nickel besondere Vorteile: konnte er doch dort zu jener Zeit nicht nur höfische Sitte und ritterliches Handwerk in höchster Blüte kennen lernen, sondern auch die Anfänge jener unseligen Religionswirren und Religionskämpfe erleben, die auf sein späteres Leben nicht ohne Einfluss bleiben sollten.
Beim Leichenbegängnis Kaiser Karls IV. (1378) war er ebenso zugegen, wie bei den darauf folgenden Inthronisierungsfeierlichkeiten für dessen Sohn und Nachfolger: König Wenzel. Und wenn Nickel es im Verlauf dieser Jahre am Prager Hof nicht nur verstanden hat, sich die Gunst zweier Könige zu erwerben, sondern auch für seine geleisteten Dienste die nicht unerwünschte Belohnung zu sichern, so findet diese Tatsache ihren Niederschlag in der ersten öffentlichen Urkunde, die von ihm spricht.
Nickel und Böhmen
Diese erste Urkunde ist zugleich Nachweis seiner Rechtsfähigkeit zu dieser Zeit
dat. Nürnberg A.D.1381 Do. fer. II. p. Mar. purgat. (=4.11.)
König Wenzel leiht dem Nickil v.Rechinberg wegen der seinem Vater Kaiser Karl und ihm treu geleisteten Dienste den königlichen Anteil an Beuten und Hof Tarnaw im Lande zu Glogau gelegen zu rechtem Mannlehn.
Ob Nickel diesen seinen ersten Besitz sogleich angetreten hat, oder ob er am Hofe Wenzels verblieb, entzieht sich unserer Kenntnis. Fast möchten wir die letztere Möglichkeit ins Auge fassen. Nur so ist uns die folgende Beurkundung erklärlich.
Unter des Jahres 1383 lesen wir :
K.
Bevor wir auf Einzelheiten dieser Beurkundungen eingehen, nehmen wir hier zwei spätere Verbriefungen vorweg:
Am 8.10.1398 verpfändet Herzog Rupprecht zu Liegnitz im Namen seiner Mündel, der jugendlichen Herzöge zu Sagan und Glogau den herzoglichen Anteil von Beuthen nebst Zugehörungen an Nickel v. Rechenberg und seine -ungesonderten- Brüder (Günther, Clement und Heinrich)
Rupprecht, Herzog in Schlesien, Herr zu Liegnitz und Vormund, der Gebrüder Johann, Heinrich dem Ältern, Heinrich dem Jüngeren und Wenzeslaus, Herzögen in Schlesien und Herzöge zu Glogau und zum Sagan bekennt, dass er mit Rat der Mannen und Städte zur Besserung der Lande seiner Mündel die Renten, Pflegen und Genüsse der Lande Glogau, -- Pulkewicz, Bewthin - den Mannen Temmericz, Nicoln Glowis, Nikoln Swenkenfeld, Vecencz Anczelt, Heinrich von Hugwicz, Heinrich Rakewicz und Heinrich Reginsberg und dazu dem Bürgermeister und Ratmannen zu Glogau gegeben hat, damit sie den Herzog Konrad (=v.0els) davon leisten und geben sollen 600 Mark böhmischer Groschen, für welche 600 Mark er (Hzg.Rupprecht) BEUTHEN (a/O.) mit seinen Zugehörungen Herrn NICKEL v.RECHEKBERG und dessen Brüdern versetzt hat. Reichen die Einnahmen nicht und müssen die Obengenannten aus dem Eigenen zusetzen, so sollen sie sich an diesen Einkünften schadlos halten durch Schuldbriefe ect., bis sie entschädigt sind..
Ein Jahr später, am 2.6.1399, erlaubt er den Gebrüdern v. Rechenberg ihre gesamten dortigen Besitzungen mit einem Wall gegen feindliche Einfälle zu sichern.
Rupprecht in Schlesien, Herzog und Herr zu Liegnitz, sowie Vormund der Fürsten und Herren Johann, Heinrich, Heinrici und Wenzel, Gebrüder, in Schlesien, Herzöge und Herren zu Glogau, Sagan, Krossen, Freistadt, ect., bekennt, dass er mit Rat und auf Geheiss der Ältesten des Landes zu Schutz und Schirm der Lande der obengenannten Herren und zu ihrem Nutzen den Gebrüdem NICKEL, GÜNTHER, CLEMENT und HEINRICH von RECHENBERG gestattet hat, den halben Wall zu TARNAW an der obengenannten Herren Teil zu bauen, von Grund auf zu befestigen und zu bessern zum Schutze des Landes, im Glogauischen Weichbilde, unter Vorbehalt des freien Öffnungsrechtes für die Landesherren, und als freies Eigentum zu besitzen und zu verkaufen, doch unschädlich der Herren Dienste und Rechte. Zeugen: Herr Otto von Landisberg, Herr Fredehelm von Wesinburg, Heinrich von Korwiz ( = Kottwitz ?), Dirschke von der Weseb, Hannos Temmericz, Conrad Rotinburg und Johann Alczenaw, herzoglicher Schreiber und Ausfertiger dieses.
dat. Glogau, Dienstag nach dem heiligen Leichnam 1399 .
Kehren wir zu den. beiden Belehnungsurkunden von 1381 und deren Abänderung von 1383 (s.o.) zurück.
Hier stellt sich die Frage: warum gab der König mit der einen Hand, um bald darauf mit der anderen zu nehmen? Wenn wir uns so recht in diese Zeiten vertiefen, dürfte sich die folgende Erklärung für diesen ungewöhnlichen Fall anbieten:
Der Kinderlose Herzog Bolco v. Schweidnitz hatte die Tochter seines Bruders Heinrich, Herzogin Anna, die 2. von vier Gemahlinnen Kaiser Karl's IV., zur Nacherbin seiner ausgedehnten Besitzungen ernannt, während er für seinen Todesfall bestimmte, dass Herzogin Agnes, seine Gemahlin auf Lebenszeit im Genuss seiner gesamten Hinterlassenschaft bleiben sollte. Jedoch verstarb Anna, die als Nacherbin eingesetzte Gemahlin Kaiser Karls IV. jung und hinterliess ihren einzigen Sohn, den nachmaligen König Wenzel v. Böhmen als künftigen Erben des Herzogtums Schweidnitz. Dadurch war Agnes v. Schweidnitz von der Zugesagten lebenslangen Nutznießung ausgeschlossen. Die Beziehungen zwischen Wenzel und seiner Großtante Agnes, waren anfangs freundschaftlicher Art, sie spitzten sich jedoch im Laufe der Jahre immer mehr zu. Unter diesen Misshelligkeiten zwischen den fürstlichen Verwandten hatten namentlich die Schweidnitzer Mannen zu leiden, die am Prager Hof ein- und ausgegangen waren.
Was liegt also näher, als dass Wenzel in plötzlicher Aufwallung gegen seine Verwandte Agnes v. Schweidnitz seine Verärgerung den eben noch belohnten Nickel fühlen ließ. Außerdem dürfen wir wohl zu recht vermuten, dass Wenzel möglicherweise in Geldverlegenheit war. Beides zusammen genommen mag dazu geführt haben, dass der König seinen vorherigen Schenkungsbrief absichtlich, als Irrtum bezeichnete. Vielleicht tat er dies auch in der Annahme oder der Hoffnung, dass der seiner Zeit Beschenkte die geforderte, für damalige Verhältnisse recht hohe Summe nicht aufbringen und er, der Lehnsherr, dann über das Lehnsobjekt rechtmäßig anderweitig verfügen könne, ohne es zum offenen Bruch mit einem vom Adel der Schweidnitzer Erblande kommen zu lassen.
Nickel und Schweidnitz
Soweit zu der Belehnung mit Beuthen und Tarnau, über deren Verbleib wir in späteren Jahren nichts mehr hören ist. Fest steht jedenfalls, dass sich Nickel nach 1383 nicht mehr am Prager Hofe aufhielt. Wir müssen annehmen, dass er sich zurück nach Schlesien begab, und zwar an den Hof der Herzogin Agnes v. Schweidnitz, wo einst auch sein Vater beim Betreten schlesischen Bodens Dienste genommen hatte. Schon aus diesem Grunde durfte Agnes die Rechenbergs zu ihren Dienstleuten zählen. Außerdem können wir davon ausgehen, dass Herzogin Agnes die Rückkehr Nickels an ihren Hof besonders begrüßt haben mag, kam er doch aus der Umgebung ihres ungeliebten Neffen Wenzel und brachte Kenntnisse und Erfahrungen mit, die für ihr Herzogtum nützlich sein könnten.
Wir hören erst 1386 wieder von ihm, und zwar in einer Weise, die uns wie eine Bestätigung des Vorgesagten erscheint:
Am 12, Juni 1386 zeigt Herzogin Agnes von Schweidnitz allen Mannen des Weichbildes und der Stadt LÖWENBERG an, dass sie Nickel v. Rechenberg zum Hofrichter des Löwenberger Weichbildes ernannt habe .
Wenige Monate später,am 20. Februar 1387 sehen wir Nickel inseiner Eigenschaft als Hofrichteramtieren. Er einen Brief an die Stadt Löwenberg, um die nicht gezahlte "Bede" für die Herzogin anzumahnen . In diesem Brief wird ein Teil der hofrichterlichen Tätigkeit deutlich. Dies sollte Anlass sein, an dieser Stelle auf das Amt eines Hofrichters zu damaliger Zeit etwas näher einzugehen:
Die Rechtprechung in Schlesien war ausschließlich fürstliches Regal. Aus dem ursprünglichen Hofgericht, in dem der Fürst den Vorsitz führte, entwickelte sich das Hofrichteramt, das zwar anfangs noch am fürstlichen Hofe selbst, später in den einzelnen Weichbildstädten seinen Sitz hatte. Den Vorsitz führte nunmehr der Hofrichter. Dass aber der Sitz des Hofrichteramtes nicht zwangsläufig mit dem Wohnsitz des amtierenden Hofrichters zusammenfallen musste, ersehen wir aus dem oben erwähnten Brief Nickels von 1387, der aus Bunzlau, seinem uns für fast zwei Jahrzehnte überlieferten Wohnsitz datiert ist.
Neben der eigentlichen Rechtsprechung, auch über "Hals und Hand" , oblag dem Hofrichter die Wahrung aller fürstlichen Gerechtsame, wie er auch für gerechte Erhebung und pünktliche Einziehung der herzoglichen Steuern Sorge zu tragen hatte. Jedenfalls war das Amt sehr vielschichtig und stellte hohe Anforderungen an den Amtsinhaber, vor allem aber verlieh es ihm Macht und Einfluss.
In dieser scheinbar kurzen Zeit von Nickels Tätigkeit als Hofrichter (bereits 1389 ist uns ein Herr v. Raussendorf als sein Nachfolger im Löwenberger Hofrichteramt bekannt) fällt ein uns überlieferter Kaufakt :
1386 verkauft Gottsche Schof dem Nickel von Rechenberg
25.- Mark vom jährlichen Landgeschoss im Bunzlauer Weichbild .
Hier wurden also die landesherrlichen Revenüen schon nicht mehr vom Hofrichter im Interesse des Fürsten verwaltet, sondern waren verpachtet oder verpfändet. Beide Akte weisen auf die anhaltenden Geldnöte der Herzöge hin, die sich nach und nach aller Regale als Sicherheiten oder Gegenleistung für namhafte Darlehn begaben.
Nickel und Bunzlau
Nickels materielle Interessen waren damit einmal mehr an die Bunzlauer Gegend gebunden, und die folgenden Erwerbungen stärkten diese örtlichen Beziehungen in so weit, dass schließlich die weitere Umgebung des alten Castrum Bolaviense zur eigentlichen Heimat des schlesischen Hauses derer v. Rechenberg wurde.
Die Einzelerwerbungen folgten nun Schlag auf Schlag, und der Ausgang des XIV. Jahrhunderts sah einen Besitz in der Hand dieses Geschlechtes vereint, wie er den alten Herrschaften dynastischer Geschlechter würdig an die Seite gestellt werden konnte.
1388 kauft Heinrich v.Rechenberg zugleich mit seinen Söhnen Nickel, Günther, Clement und Heinrich von Gunzel und Nickel Seidlitz von Lasan die Feste Freudenberg auf dem Roten-Stein bei Görbersdorf nebst dem Markt Friedland und zwei Jahre später erwerben die gleichen Käufer das sogenannte Kesselvorwerk bei Bunzlau .
Mit der Feste Freudenberg ist die heutige Burgruine Freudenschloss, unweit Waldenburgs gemeint . Noch 1355 war sie, wie viele andere Burgen des Landes, verpfändet, wurde aber von Herzog Bolco wegen Unbotmäßigkeit des Inhabers eingezogen, bald danach kam sie in den Pfandbesitz eines Pogrell, danach als Lehn an die v.Seidlitz und schließlich, wie wir soeben gesehen haben, an die v.Rechenberg. Sie lag gänzlich außerhalb des späteren Interessenbereiches der Rechenbergs und mag deshalb an Interesse verloren haben und dürfte wohl in andere Hände übergangen sein. Jedenfalls hören wir von ihr nicht, dass ein späterer Rechenberg Besitzer der Feste war.
Das Kesselvorwerk bei Bunzlau war als Bestandteil des ehemaligen Burglehns ebenfalls nur vorübergehend im Besitz der Familie. Es war aber dennoch das Sprungbrett von Bedeutung, zur Gründung jener Hausmacht, von der wir im folgenden mehr hören werden.
Hatten wir es bei den uns überlieferten Beurkundungen bisher nur mit dem Erwerb von Einzelbesitzungen zu tun, so fällt auf, dass es sich bei den die folgenden Käufen ausschließlich um ganze Güterkomplexe handelt, ein Umstand, der uns auf den wachsenden Wohlstand des Geschlechtes schließen lässt.
1391 am Tage Philippi und Jacobi (=1.Mai) werden
Heinrich v.Rechenberg und seine vier oben gen. Söhne
- Nickel, Günther, Clement und Heinrich
belehnt mit KLITSCHDORF und den zugehörigen Ortschaften GR.GOLlMISCH, BUCHWALD, STRANS und MITTELHEIDE .
Zu erwähnen ist, dass auch schon in damaliger Zeit die Dörfer BORGSDORP, NEUENDORF und ROSENTHAL zur Herrschaft Klitschdorf gehörten.
Klitschdorf war 1297 als Sitz einer Burggrafschaft erbaut worden und blieb bis in das 2. Drittel des XIV. Jahrhunderts Feste des Herzogs, wo für gewöhnlich der herzogliche Beamte, der Burggraf, seinen Wohnsitz hatte. Um 1360 befand es sich dann vorübergehend in der Hand des Czaslar Czambor (=Tschammer), kam vor 1373 in den Besitz Heinrich's III. Herrn v.Kittlitz a/Ottendorf , der diesen Rittersitz 1387 an Koppe (=Kaspar) v. Zedlitz veräusserte . Aber auch Zedlitz ist nur drei Jahre Besitzer von Klitschdorf, bis er 1391 die Herrschaft an die v. Rechenberg verkaufte. Vorweg sei hier angemerkt, dass Klitschdorf fast zwei und einhalb Jahrhunderte in Händen derer v.Rechenberg blieb. 1651 ging die Herrschaft Klitschdorf dann an die v.Schellendorf über . 19).
Dies ist die letzte Urkunde, die Nickel und seine Brüder gemeinsam mit ihrem Vater zeigen, der wohl bald nach 1391 gestorben sein muss.
Damit haben wir einen ersten Abschnitt in Nickels Leben kennengelernt:
- Wir haben ihn in seinen Jugendjahren vom Elternhaus zur Goldberger Schule und an den Königshof nach Prag begleitet;
- wir verfolgten seinen Weg im Dienste der Herzogin Agnes von Schweidnitz und als Hofrichter des Löwenberger Weichbildes;
- wir haben die Erwerbungen kennen gelernt, die ihn im Kreise seiner engsten Familie, mit seinem Vater und seinen Brüdern zeigten.
Ein Jahrzehnt nur, und doch welcher Aufschwung, den sein Haus in diesen wenigen Jahren genommen hatte. Besitzzentrum war das zuletzt erworbene Klitschdorf.
Nickel und Görlitz
Nach dem Tod des Vaters übernahm Nickel als der ältester der vier Brüder die Führung, und unter seiner Leitung erfuhr der Besitzstand des schlesischen Hauses weitere bedeutende Vermehrungen, und seine einzigartige Persönlichkeit war es, die die Bedeutung der Familie begründete, erhielt, mehrte und vererbte.
Ganz besonders bemerkenswert erscheint uns in Nickels Leben das Jahr 1393. In diesem Jahr verließ er wohl bewusst den alten, schon vom Vater vorgezeichneten Pfad der Bindungen an das Schweidnitzer Fürstenhaus. Er schloss sich erneut und eng an Böhmen und das Haus Luxemburg an. Zugleich mit seinem jüngeren Bruder Günther begab er sich in den Dienst des jüngsten Sohnes von Kaiser Karl IV., des jugendlichen Herzogs Hans v. Görlitz. Gleichzeitig erwarb er von seinem neuen Herrn die Herrschaft WEHRAU, die auch „Klitschdorf Oberlausitzer Anteil“, von nun an „Rechenberger Heide“ genannt wurde. Während aber das eigentliche Klitschdorf, wie oben gesagt, nur bis 1651 in Rechenberg’schem Besitz verblieb, wurde der Heideteil erst 1690 verkauft, und zwar für 95.000 Taler durch Freiherm Ulrich Maximilian v.Rechenberg an Reichsgraf Balthasar Erasmus v. Promnitz .
Die Belehnung mit der Görlitzer Heide aus dem Jahr 1393 fand ein Jahr später (1394 o/T.) eine Erweiterung:
Herzog Hans versetzt Nickeln vom Rechinbergk die Heide, auf der sie von im haben, mit Bekenntnisse seines Briefes 100 Schock, im Weichbild Gorlitschen gelegen, von dem Snellenforte hinan das Feldt mit dem Sichelberge, beide über der Tzschirne.
dat. Clingenburg 1394 .
Man könnte vermuten, es handele sich in beiden Fällen (1393 und 1394) um genau das gleiche Objekt. Tatsache ist jedoch, dass es sich im zweiten Falle nicht um eine Belehnungserneuerung handelt, sondern um eine Erweiterung der 1393 angegebenen Grenzen. Bedauerlicherweise ist uns diese Urkunde von 1394 heute nicht mehr im Original erhalten, sodass wir uns auf die Angaben des OVU und Wemickes verlassen müssen. Wir dürfen aber für unsere Angaben auch das Zeugnis des Professors Dr. Jecht in Anspruchnehmen, der seit Knothe der beste Kenner lausitzischer Urkunden und Verhältnisse sein dürfte, und der in der 2.Urkunde eine Mehrung des neuen Besitzes sieht.
1396, am Montag nach Matthei (=25. IX.) fanden beide Belehnungen zu Prag die Königliche Bestätigung .
Zu diesen Neuerwerbungen gehörten u.a. die Dörfer: TIEFENFURTH, HEILIGENSEE, SCHNELLENFURTH, MÜHLBOCK, SCÖNDORF, PRINZENDORF und THOMMENDORF, und auch einige kleinere Orte, die uns - wie Jäschine - später noch begegnen. An diesen Neuerwebungen besaßen die v.Penzig noch einige Rechte "von alters her". Diese Rechte erwarb Nickel ebenfalls späterhin, und zwar am Dienstag nach Cantate (=11.7.) 1406 , mit Ausnahme der Jagdgerechtsame, um 20 Groschen hinzu .
Das übrigens Nickel das Schwergewicht seiner gesamten Besitzungen und Beziehungen vom Osten - aus der Abhängigkeit der Herzogin Agnes von Schweidnitz - immer mehr nach Westen verlegte, mag tiefer begründet liegen, als dies auf dar ersten Blick erscheint.
Bunzlau war auf Grund seiner wirtschaftlichen und Offizialbelange von jeher stark nach Westen, nach Görlitz und dem Bund der „Sechsstädte" ausgerichtet. Dieser Bund konnte der Stadt sichereren Schutz gewähren, als die zeitweilig nur geringe Machtstellung der schlesischen Piasten. Auch waren die Bindungen auf Grund Ihrer Lage an der „Hohen Strasse“ deutlich nach Westen orientiert: Die sogen. "Hohe Strasse“ verband den Westen mit dem Osten, sie verband Kiew mit Köln, von Breslau über Neumarkt, Liegnitz, Haynau kommend, führte sie weiter nach Görlitz Bautzen, Meissen und dann an den Rhein und nach Holland. Die Hohe Strasse war somit eine wichtige Verkehrsader und eine vielbefahrene Strasse zu jener Zeit. Von Bunzlau zweigten Straßen nach Naumburg/Queis, Löwenberg, Hirchberg, sowie nach Lauban, Sagan ab.
So mögen, wie wir später sehen werden, auch Nickels materielle Interessen im Einvernehmen mit dem mächtigen Görlitz leichter auszuführen gewesen sein, wenn er sich dem noch fast im Kindesalter stehenden Herzog Johann von Görlitz anschloss.
Zum Ende des Jahrhunderts erreichte der Besitzstand Nickels und seiner Brüder seine höchste Blüte. Das Jahr 1397 brachte eine weitere , große Erwerbung, die Herrschaft PRIMKENAU.
Am Sankt Lorenztage (=7.VIII.) 1397 fanden sich die vier Brüder,
Nickel mit den jüngeren Günther, Clement und Heinrich v.Rechenberg in Sprottau ein, wo ihnen Herzog Rupprecht zur Liegnitz in Vormundschaft der vier Herzöge zu Sagan und Glogau, Stadt, Haus und Land „Prymkenow“ und alle seine Zugehörungen für 1.200 Mark Prager Groschen polnischer Zahlverkauft .
Und weiter,
am Donnerstag vor Pfingsten 1404 (=15.7.) bestätigt der nunmehr majorenne Herzog Johann zu Glogau und Sagan den oben gen. Verkauf durch seinen und seiner Brüder Vormund und belehnt die Gebrüder v.Rechenberg mit dem gen. Besitz, der Herrschaft Primkenau .
Welchen Umfang die Herrschaft Primkenau damals hatte, ersehen wir aus der fast gleichzeitigen Urkunde von 1407, in der Franz v. Warnsdorf und seine Erben eine Lehensanwartschaft auf Primkenau nachsuchte und erhielt, für den Fall des unbeerbten Todes Nickels und seiner Brüder. Auf Grund dieser Lehensanwartschaft suchten die Wamsdorfe um 1448 den Enkeln der Gebrüder Rechenberg diesen Besitz streitig zu machen.
In der genannten Urkunde von 1407 sind die Dörfer der Herrschaft einzeln aufgezählt. Wir finden dort genannt:
Haus und Stadt Primkenau
Luterbach = Lauterbach)
Langenow Langen
Wolframsdorf Wolffersdorf
Weysack Weissig
Wenig Hencendorf Kl.Heinzendorf
Crampff Krampf
Glesirsdorf Kl.Gläsersdorf
1/2 Hasilbach Hasselbach.
Werfen wir einen Blick auf eine Karte, so erkennen wir unschwer, wie hier Nickel mit den Seinen Stück um Stück, Dorf um Dorf, Gut um Gut im Norden Bunzlau's an sich gebracht hatte. Es wird eine bewusste Hauspolitik betrieben. Der Besitz Gebrüder v. Rechnberg reichte um 1400 von Buchwald im Norden bis Bunzlau imSüden, von der Tschirna im Osten bis an den Bober und darüber hinaus.
Nickel und Naumburg
Im Jahre 1408 kam dann ein weiterer besonders wertvoller Landesteil hinzu: Die Herren von Landskron verkauften an die Gebrüder v.Rechenberg auf Klitschdorf und Primkenau die Stadt Naumburg am Queis mit allen Rechten . Naumburg wurde dann bereits 1491 an Fabian v.Warnsdorf weiterverkauft und gelangte 1495 an das dortige Magdalenerinnen Stift. (Wir müssen gerade auf diesen Punkt später noch zurückkommen.)
Zu dieser Erwerbung konnten wir bisher leider keine Urkundlichen Unterlagen finden, und Dewitz selbst gibt keine Quellen an. Immerhin dürfen wir die Tatsache des Kaufs als feststehend annehmen, weil kurze Notizen hierüber, ebenfalls ohne Quellenangaben, auch anderwärts zu finden sind.
Wie bereits oben gelegentlich der westlichen Orientierung Nickels gezeigt wurde, nahm Naumburg zu dieser Zeit eine ganz besondere Stellung ein. Der Warendurchzug, einmal von Osten nach Westen auf der gen. Hohen-Strasse und der nord-südliche Weg nach der böhmischen Grenze und weiter übers Gebirge brachten für die Stadt nicht unwesentliche Einnahmen. Mögen auf der einen Seite die in Aussicht stehenden Gewinne aus Zöllen und anderen Einnahmen hinlänglichen Grund für diese Erwerbung gegeben haben, so lässt sich auf der anderen Seite nicht verkennen, dass Naumburg, von alters her mit Bunzlau politisch wie auch wirtschaftlich aufs Engste verbunden war. Die direkten Einnahmen aus der Stadt selbst waren wohl nicht übermäßig groß. Die häufigen Brände ( 1410 wurden mehr als die Hälfte aller Häuser ein Raub der Flammen) und das mehrfache Auftreten der Pest (1411 starb die Stadt bis auf 14 Personen aus !) taten ein Übriges.
Der Vollständigkeit halber wäre hier noch anzuführen, dass zur Stadt Naumburg selbst eine Reihe von Dörfern gehörtet, die schon im ersten Drittel des XIII. Jahrhunderts als zugehörige Pertinenzien genannt werden.
Es waren dies u.a.:
Berthelsdorf und Thiemendorf, Seiffersdorf und Herzogswalde,
Schlesisch Haugsdorf, Paritz und endlich Lorenzdorf und Birkenbrück.
Dass Nickel gerade hier in Naumburg einen entscheidenden und bleibenden Einfluss gewonnen haben muss, findet noch heute in dem Stadtsiegel des längst seiner einstigen Bedeutung entkleideten Ortes seinen äußerlich Niederschlag. Schon frühzeitig sind uns solche Siegel übermittelt, die einwandfrei das Rechenberg`sche Geschlechtswappen zeigen.
Nachfolgend zeigen wir einige Siegelnachbildungen Naumburgs aus verschiedenen Zeiten. Sie mögen diese gleichzeitig dartun, welche Entwicklungen heraldische Darstellungen im Laufe der Zeiten nehmen können, wie das ursprüngliche Symbol eines redenden Wappens verloren geht .
1470, 1658, 1813
Naumburg kam, wie oben gesagt, 1495 an das dortige Magdalenerinnen Stift, dessen Priorin damals Magdalena v.Haugwitz war. Aus dieser Tatsache und der Wappengleichheit beider Familien (Rechenberg und Haugwitz) glaubten einige Scribenten des XVI. und XVII. Jahrhunderts mutmaßen zu können, dass Naumburg durch den Einfluss dieser Priorin als Stadtwappen das Haugwitz'sche Wappenbild gewählt hätte. Diese Auffassung wird aber alleine schon dardurch widerlegt, dass uns Siegel mit dem fraglichen Wappenschild bereits vor der Zeit der Priorin Magdalena v. Haugwitz urkundlioh - 1470 - bekannt sind. Somit ist der Zusammenhang mit unserem Nickel, bzw. seinem Geschlecht erwiesen .
Angefügt sei noch, dass sich aus dem Besitz von Naumburg und der vollen Inanspruchnahme der damit verbundenen Rechte im Verlaufe der folgenden Jahre für Nickel wiederholt große Differenzen ergaben. So hatte er beispielsweise 1413 mit dem dortigen Kloster einen Wegestreit wegen der Strasse "vor Paritz", der in diesem Jahre seine Schlichtung fand .
Aus den dazwischenliegenden Jahren ist nur noch wenig nachzutragen. 1411 hatte Nickel mit seinen drei Brüdern von dem reichen und hinlänglich bekannten Andreas Bol aus Bunzlau Zinsen auf Gr.Collmisch, Rosenthal, Neuendorf und Lorzendorf, wie auch auf Klitschdorf selbst (erstere alte Pertinenzien des letzteren) gekauft und scheinbar so auch hier danach getrachtet, diesen Besitz abzurunden.
Wenige Jahre später, 1418, - in Abwesenheit Nickel's - forderten die Tschirrnaer unter Drohungen die alten „Freiheiten auf der Heide" zurück, die ihnen auch bestätigt wurden .
Die letzte Beurkundung, die Nickel nennt, erzählt uns von seiner und seiner Brüder Tagfahrt am Himmelfahrtstage 1422 mit denen v.Penzig wegen einiger Nutzungen in der Heide und ihren Dörfern Waldau. Günthersdorf sowie Tschima, Siegersdorf, Biesnitz und Thommendorf, die er, Nickel, doch bereits 14o6 gekauft hatte .
Hier dürfte auch der Platz sein, die Gesambelehnung über ihre Güter zu erwähnen, die die Herzöge Heinrich d.Ä., Heinrich d.J. u. Wenzel, zu Glogau und Crossen den Gebr. Nickel, Heinrich und Clemens v. Rechenberg am Dienstag nach Mariens Geburt (=10.9) 1415 bestätigten.
Haben uns die vorstehenden Seiten ein Bild vermittelt, wie Nickel der Begründer und Mehrer von Macht und der Besitzgrundlage seines Geschlechtes auf Jahrhunderte hinaus war, so soll uns das Folgenden noch kurz ein Bild von Nickels persönlichem Ansehen und Einfluss vermitteln.
Vor allem sind seine Beziehungen zum Sechsstädtebund zu erwähnen, insbesondere zu Görlitz, die uns auf Grund der Ratsrechnungen überliefert sind .
Seine Beziehungen zu Görlitz reichen bis 1390 zurück, also lange bevor Nickel Herr von Naumburg war, er also einerseits die Kontrolle über den Warentransport auf der Hohen-Strasse gewann, und andererseits für die Görlitzer Warenzüge der Schutz Nickels hochwillkommen war. Wenn uns auch manche urkundliche Unterlage hierfür fehlt, so sind wir doch an Hand der erhaltenen Bruchstücke in der Lage, zunächst ganz allgemein zu sagen, dass die unsicheren Zeiten Grund genug waren, auch den Zusammenschluss zwischen Städten und einzelnen Herrschaftsträgern, trotz der sonstigen Gegensätze zu erklären.
So hören wir, wie er sich zu wichtigen Besprechungen in Görlitz selbst aufhielt und dort nach altem Brauch mit Wein und Bier geehrt wurde. Wir hören von Boten, oder von dem Görlitzer Ratsschreiber selbst, der sich "mit Botschaft gen Bonczlaw zu Herrn Nickel von Rechinberg" begibt.
Ende des XIV. Jahrhunderts mochte es wohl auch einer mächtigen Stadt wie Görlitz wertvoll erscheinen, nach Bundesgenossen Ausschau zu halten. Es sei hier erinnert an die bekannten Köckeritz'schen und Wartenbergischen Fehden, die sich durch Jahre hinzogen, auch an die Judenverfolgungen und -progrome mit ihren Auswüchsen, die selbst ein König Wenzel propagierte. Hingewiesen sei auch auf die damals fast allenthalben einsetzenden Aufstände der Innungen, die Mitbestimmung innerhalb der Stadt, teils mit Gewalt, anstrebten - kurzum, zu erinnern ist an alle jene vorbereitenden Wirren und Irrungen, die den Hussitenkämpfen und Raubzügen des beginnenden XV. Jahrhunderts unmittelbar voraus gingen. Dass sich die Stadt an einen Mann anschloss, mit ihm Verbindung suchte und solche pflegte, der neben einer gewissen Machtfülle in seiner Person zugleich die besten Verbindungen zu den höchsten Personen des Landes vereinte, liegt auf der Hand.
Nickel als Diplomat
Nickel war ein für damalige Zeiten viel und weitgereister Mann, noch dazu, wenn man bedenkt, dass alle Reisen zu Pferd oder Wagen zurückgelegt werden mussten. War er doch, wie wir gesehen, in jungen Jahren am Königshof zu Prag, sicherlich auch mit Kaiser Karl, bzw. mit König Wenzel ins Reich gefahren.
Er befand sich fast alljährlich mehrfach unterwegs - so z.B., um nur Weniges hier herauszugreifen, 1398 in Liegnitz, Görlitz und Hirchberg, 1399 wiederum in Görlitz, dazu in Glogau, Breslau, Lauban und Hirschberg
Er begleitete den Herzog zum Konzil nach Konstanz, das über das Schicksal des Johannes Hus zu befinden hatte. Bei zahlreichen Gelegenheiten wurde Nickel von fürstlichen Personen um Rat, Beistand und gerichtliche Vertretung angegangen .
Schon zu Lebzeiten seines Vaters war er wohl auch in den Geschäften seiner engeren Familie die treibende Kraft, die kurzentschlossen den richtigen Weg fand. Gewandt und selbstbewusst im Auftreten, bewandert im Verkehr mit Menschen und Vertretern aller Stände, erfahren auf dem Gebiet der Rechtspflege und der Verwaltung, unabhängig in materieller Beziehung, und, wie Görlitz selbst, dem jugendlichen Herzog Johann treu ergeben. Das war der Mann, der die Familie zu Wohlstand und Einfluss geführt hat und so auch der Stadt Görlitz nützlich sein konnte - und war.
Wie weit aber Nickels Macht reichte, wie erfolgreich er als Ratgeber eines hohen Stadtrates und dessen Fürsprecher in mancherlei Fährnissen auch an höchster Stelle sein konnte, das sollte sich erst in seinen letzten Lebensjahren zeigen.
1418 unternahm er eine längere, nicht ungefährliche Reise zu König Sigismund nach Ungarn, dem Stiefbruder König Wenzel's und Herzog Johanns, um dort neben eigenen Belangen wohl die Wünsche der Stadt Görlitz zu vertreten .
Nickel traf den König in Pest, soeben vom Konstanzer Konzil zurückgekehrt, an, beschwert durch häusliches Leid, verstrickt in die Angelegenheiten des Deutschen Ordens und beunruhigt durch die neu einsetzenden Aufstände in seinen Stammlanden in Böhmen und am Rhein. Wie weit Nickel seine Pläne, die er an die Reise nach Ungarn geknüpft hatte, erfüllt sah, wissen wir nicht. Im Februar 1419 kehrte er nach Hause zurück, nicht ohne der Stadt Görlitz manch trübe Botschaft mitzubringen.
Auf der Rückreise hatte er wohl die infolge des Märtyrertodes von Johannes Huss neu einsetzenden Kämpfe in ihren Anfängen gesehen, und es kann nicht verwundern, wenn der Chronist erzählt, Nickel habe der Stadt Görlitz "manchirley botschaft und warnunge" überbracht.
Nickel und die Kirche
Soviel von Nickels Beziehungen zu Görlitz, um zum Schluss noch auf Nickels Stellung zur Kirche zu sprechen zu kommen. Gewiss mag es im Zeitgeist gelegen haben, dass er und seine Brüder sich der kirchlichen Belange innerhalb ihrer Machtsphäre annahmen. Aber es sei hier doch auf einige Einzelheiten hinzuweisen, die zugleich manchen anderen Einblick gewähren.
Zunächst hören wir, dass
Bischof Wenzel von Breslau und sein Suffragan, Bischof Bernhard von Callipolis, auf Bitten der Gebrüder Nickel, Heinrich, Günther und Clemens v.Rechenberg „als den Erben" die von diesen zu WiNDISCH-BOHRAU zu Ehren der hlg. Jungfrau, der hIg.Barbara und des hlg.Märtyrers Clemens begründete Kirche bestätigen .
Da damit wird gleichzeitig deutlich, dass Nickels Vater, Heinrich II. v.Rechenberg, bereits Windisch-Bohrau besessen haben muss, wenngleich wir ansonsten in dem geschilderten Zeitraum von rund 40 Jahren und früher nichts davon hören. Aber eben diese Beurkundung, die Neuling wohl aus dem registrum presbyteriorale schöpft, spricht eine zu deutliche Sprache.
Von 1417 datiert der Stiftungsbrief über die Klitschdorfer Kirche, den Nickel zugleich mit den Brüdern Heinrich und Clemens ausstellte . Noch im gleichen Jahre erfolgte die Altar-Stiftung zu Primkenau, die besonders erwähnt zu werden verdient
Wenig später, das sei hier schon angefügt, am 5.12.1420, verreichte Nickel dem Pfarrherrn zu Primkenau als ein "Seelgerät" für seine Eltern, für seine Brüder und sich selbst, Zinsen auf Jätschine .
Der oben genannte Altar zu Primkenau stellte ein besonderes Kunstwerk dar, wie Schlesien heute nur noch wenige aus dieser Zeit aufzuweisen hat. Eine ins Einzelne gehende Beschreibung würde hier zu weit führen. So viel sei aber hier gesagt, dass die ganze figürliche Anordnung in ihrer minutiösen Ausführung und die stilechte Gruppierung ein Kunstwerk ersten Ranges darstellen, das auch dem Kunstverständnis Nickels ein besonderes Zeugnis ausstellt.-
Schlussbemerkungen
Wir sind am Ende unserer Abhandlung angelangt. Mit Bedauern müssen wir sagen, dass es uns nicht möglich war festzustellen, wer Nickels Gemahlin war. Wir glauben aber zwischen den urkundlichen Zeilen ableiten zu sollen, dass sie dem schles. Geschlecht derer v. Warnsdorf entstammte. Nur so können wir uns auch die oben zitierte Lehnsanwartschaft Franz v. Wamsdorf's erklären, die dieser 1407 für Primkenau nachsuchte und erhielt. (s.o),
Nickels Tod muss um 1422 erfolgt sein, er war mit Sicherheit mindestens 60 Jahre alt. Er hinterließ Nachkommen, die uns unbekannt sind.
Der Umstand aber, dass uns so viele Urkunden von ihm sprechen, dürfte uns an und für sich schon zu der Auffassung berechtigen, dass Nickel ein Mann war, der in jeder Beziehung über den Durchschnitt seiner Zeit und auch seiner Familie herausragte. -
Trier, 01.03.2003